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bismillahi-r-rahmaani-r-rahiim

 Khatdtd خَطّ Schrift(stil)

Von der Kunst der Annäherung 

Gebrauchsanleitung zu Khatdtd an-Nimsaawiiy 

 

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Edirne

Kalligraphie (v. griechisch Καλλιγραφία (kalligraphia), κάλλος (kállos, Schönheit) bzw. καλός (kalós, schön, gut) und γράφειν (gráphein, schreiben) ist die Kunst des „Schönschreibens“ von Hand, mit Federkiel, Pinsel, Tinte oder anderen Schreibutensilien. (Wikipedia) und hat lange ihre Entwicklung im Kontext einer weitgehend unsäkularen Gesellschaft, gepaart mit wirtschaftlichen Blüten entwickelt. Die geschichtlichen Ausläufer klassischen Kalligraphie reichten noch bis zum Einsetzen des Säkularismus in den verschiedenen islamischen Gebieten. Es gibt Kurse bei denen frühere Stile erlernt werden, doch ist es einfacher die besten Kalligraphien aus der Blütezeit zu Kopieren. Der ursprüngliche Rang der Kalligraphie innerhalb der muslimischen Gesellschaft ist längst verloren gegangen, doch kommen um so mehr Drucksorten als Kalender, Kunstbücher usf. in den Handel. Für den Gläubigen hat die Kunstform sekundäre Bedeutung und manchmal sind es nur Zettel mit einfacher Handschrift die an der Wand hängen.

Khatd bedeutet "Schrift" und je nach islamischen Gebiet und Machtverteilung hatten sich Stile entwickelt und an Bedeutung gewonnen oder wieder verloren. Die Stadt Kufa (Kufi) zählte etwa zu den wichtigsten Zentren dieser Kunst, obwohl heute kaum noch ein Araber zu finden ist, der diesen Schriftstil lesen kann. Viele Beispiele von Kalligraphien lassen sich im Web finden, doch ist dies nicht unser Thema, denn nicht die Schriftzeichen sind die Kunst des Gläubigen, sondern seine Handlungen im Kontext ihrer Bedeutung.

Durch die Offenbarung Allahs - dem Qur'aan - hat die arabische Kalligraphie aber gänzlich andere Bedeutung als Kalligraphien anderer Religionen oder Kulturen; vergleichbar dabei ist nur die Verwendung von schöner Schrift.

 

      So die arabische Schrift hauptsächlich aus elastischen Strichen und Punkten besteht lässt sie sich umfangreicher gestalten als andere Schriften und weil die Kenntnis des Qur'aan ein Allgemeingut der Muslime ist, müssen sie nicht erst  lesen können was da verschlungen geschrieben ist; vielmehr reicht zu wissen, dass es sich um die Basmallah, um ein bestimmtes Aayah (Qur'aan-Vers) handelt. Die Eigenart von Symbolen bzw. Buchstaben ist es -  im Gegensatz zu ein Portrait oder Landschaftsbild - realistische Kunstwerke zu sein; jedes Symbol ist in sich ein realistisches Kunstwerk, ob es nun der Volksschüler schreibt oder geübte Kalligraph; der Unterschied besteht nur in der Ausführung. Symbole sind grundsätzlich real, Nachahmungen der Natur hingegen grundsätzlich abstrakt. Ein Notizzettel ist real, ein Passbild abstrakt, auch wenn dies im üblichen Sprachgebrauch der Kunsthistoriker umgekehrt ist. Ungläubige sagen etwa: "abstrakte Kunst benützt eine visuelle Sprache von Fomen, Farbe Flächen und Linien  um etwas zu komponieren, was unabhängig von Bezügen zur visuellen Welt existiert", wobei mit visueller Welt Bäume, Mensche, Häuser usf. gemeint sind. Für Gläubige aber ist es umgekehrt, die Visuelle Welt besteht aus Zeichen Allahs und der Versuch der Nachahmung ist abstakt, also ein Kompositionsversuch aus Formen, Farbe, Flächen und Linien, aus echtem Material, selbst wenn es nur Licht ist. Wird eine Schriftzug photographiert, so ändert sich nichts nichts seiner Realität, so diese nicht die Tinte ist. Wird aber ein Mensch photographiert oder gemalt, so wird er dabei abstrahiert, denn seine beseelte Realität geht durch die Nachahmung verloren.

       Islamische Kalligraphie ist die Kunst, welche dafür bekannt ist, Ajaat (Sätze) aus dem Qur'aan,  Aussprüche des Gesandten Allahs, Dichtersprüche usf. möglichst ausdrucksvoll zu schreiben, wobei die Basmallah wohl der am häufigst geschriebene Spruch ist. Diese Kunst wird auch zur Dekoration auf Buchkrücken, in der Werbung, auf Visitkarten, als Geschäftsaufschrift usf. benützt. Für den Gläubigen aber, ist islamischer

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Worksoap

Kaligraphie (nicht arabische) immer 'Ibadah" (Gottesverehrung) und darin liegt der wesentliche Unterschied. So wie ein Ungläubiger die Schahadah im schönstem Arabisch sprechen kann ohne dadurch Gläubiger zu werden, so könnte er auch arabische Kalligraphie erlernen, doch wird es für ihn keine Verehrung Allahs sein, so er nicht glaubt; er ist auf Grund seiner Leugnung von der Realität der Schahaadah ausgeschlossen und wird sagen, dies ist abstrakte Kunst. Deshalb ist für den Muslime die Welt ein Gefängnis, für den Ungläubigen aber das Paradies.

Kalligraphien sind oft Nachahmungen früherer Meisterwerke, andere aber verdeutlichen eine innere Zerrissenheit zwischen westlichem Einfluss und Islaam, so dass etwa den "Alifs" Palmen  entwachsen oder animiertes Geblinke auf Webseiten ensteht. Solche neue Kalligraphien vermitteln, dass  die Wahrheit, welche die Schrift symbolisiert, nicht zu genügen scheint; die Dekorationen sind nicht mehr Umgebung der Schrift, sondern reduzieren deren Bedeutung.

     Die Mehrheit  der Gefährten des Gesandten Allahs konnten weder schreiben noch lesen und die Kunst der Kalligraphie war damals - zumindest in Zusammenhang mit der Offenbarung - nur als Dokument, und noch nicht aber als "kunstvolle Schrift" von Bedeutung. Islamische Kalligraphie ist kein Symptom der Blüte des Islam - wie von Ungläubigen gerne dargestellt -, sondern ist eine anhaltende Erscheinung des Zerfalls. Der Gesandte Allahs sagte:  [ ........ ] Das betrifft natürlich nicht nur die Kalligraphie, sondern vor allem die islamischen Wissenschaften wie Tafsiiru-l-Qur'aan (Qur'aanauslegung), Fiqh (Rechtswissenschaft), 'Ilmu-l-Kalaam (Erörterung), Tassauwuf usf, als auch alle Leistungen der Architektur, Mathematik, Kriegsführung usf.., welche zum Erhalt des Islaam für die gesamte Ummah  unumgänglich sind. Kalligraphie schwimmt auf dem Rücken der islamischen Wissenschaften. Für Muslime ist die künstlerische Schriftgestaltung keine Grundlage des Glaubens sondern vielmehr die schöne Erinnerung an die Wahrheit (Haqq) im Verfall, welche immer wieder in einen anderen kulturellen Kontext eingebettet wurde, so dass in einem Gebiet zu einer gewissen Zeit die bunte Vielfalt und und dann wieder die Nüchternheit den Stil beeinflusste. Meist wurde Kalligraphie mit Tinte und breiter Feder auf Papier geschrieben wodurch die bekannten Schriftzüge entstehen und es entwickelten sich eigen Schulen welche die Abstände zwischen den Punkten und die länge und Breite der Linie regelten. Es bedurfte viel Übung bis einer aus dem Handgelenk die perfekte Ästhetik aufs Papier brachte und bis heute üben sich manche darin in verschieden Stilen vergangener Epochen. Nimmt ein und der selbe Kalligraph ein anders Instrument, etwa einen Pinsel oder die Finger, so wird die Form des Schriftzugs durch die Eigendynamik des Instruments beeinflusst wodurch auch  der davon untrennbare Inhalt in Licht eines anderen Aspekts vermittelt wird. Anders als in der europäischen Kunstgeschichte liegt die Bedeutung dieser Kunst kaum beim Objekt sondern in der vermittelten Wahrheit, welche alle Muslime anerkennen und nichts wird dabei thematisiert. Es wird zwar auch mit Gold geschrieben, doch ist der spirituelle Wert genauso in der Bleistiftschrift enthalten, Während für einen Ungläubigen nur die Ästhetik des Schriftzugs, die umgebenden Dekorationen, das Material  und eventuell der Text im Sinne von Orientalistik, so durchdringt dem Muslime eine Erinnerung an die von ihm anerkannte Wahrheit, selbst wenn er der arabischen Schrift nicht kundig ist. Durchdringt aber der Ungläubige mit der Gnade Allahs diese äußere Ästhetik und lässt sie durch bis zu seinem Herz, so wird Muslim.

     Wenn also ein Ungläubiger - für den Allah den Islam vorgesehen hat - eine Kalligraphie betrachtet, so kann es sein, das sich in seinem verstecktesten Inneren - entsprechend seiner Betrachtungsabsicht - ähnlich einem wunderbaren Duft, von dem man gerne wüsste woher er kommt - etwas aktiviert wird, welches er dann zu suchen beginnt. So ist es mir jedenfalls ergangen, als ich bei meiner ersten Reise nach Asien in eine Mosche ging um dort  - unerwartet und groß auf die Wand geschrieben - dem Schriftzug "Allah" gegenüberzustehen, ohne Kenntnis der arabischen Zeichen oder des Islam. Dieses Erlebnis hinterließ einen tiefen Eindruck, der mich bei zur Suche nach der Duftquelle begleitete, bis ich letztlich wiederum unerwartet, zehn Jahre später und einige hundert Kilometer weiter, die Schahaadah (das islamische Glaubensbekenntnis) sprach.

Nicht das Produzieren einer Kalligraphie die wahre Kunst ist, sondern vielmehr das sich vorsichtige Annähern an die darin zum Ausdruck gebrachte spirituelle Lebensqualität, sei es nun durch den Künstler oder den Betrachter. Nicht die Schriftsymbole der Kalligraphie sind abstrakt, sondern das gemalte des Wahrnehmenden. Die Nachahmung beseelter Schöpfung ist Täuschung - das an den Schöpfer erinnernde Wort ist Wahrheit obwohl beides nur Tinte.

     Wird islamische Kalligraphie aber als Dekoration wahrgenommen, was durch Gewohnheitsbezug eintreten kann, so ist es besser für den Gläubigen, wenn er die zur Dekoration gewordenen Erinnerung von der Wand nimmt um nicht spirituellen Schaden zu erleiden. Oder ein Händler, der sich die "Basmallah" in sein Geschäftslokal hängt obwohl er Ribaa (unrechte Vermehrung) betreibt, denn Allah hat Ribaa verboten und den Handel erlaubt. Für den Gläubigen ist das Anbringen von Kalligraphie also eine heikle Angelegenhiet, während für Ungläubige - welche die Kunst der Form im säkularen Sinn bewundern -  das

 Problem a priori in ihrem Kufr (Leugnung der Warheit) liegt-

     Nachdem ich den Stein in den Ganges gekippt hatte, musste ich meine Arbeiten weitgehend stilllegen da ich neben meinen islamische Studien kaum mehr  Interesse und Zeit dafür hatte; ab und zu  beschäftigte ich mich mit arabischer Kalligraphie und nannte diese Arbeit "Khatt an-Nimsaawiy", im Sinne des Eindringens des Islaams in die europäischer Kunstgeschichte.

 

Für Ungläubige (also Nichtmuslime), welche keinerlei arabische Schriftkenntnisse besitzen, erscheint eine Kalligraphie nur durch ihre besondere Formgebung unabhängig vom der Bedeutung des Geschriebenen; es könnte sich bei der Kalligraphie um Werbespruch für Kosmetika handeln und kann ein Gläubiger ohne arabische Kenntnisse irrtümlich meinen, es handle sich bei der Kalligraphie um ein Ayah aus dem Qur'aan. Immigranten aus muslimischen Gebieten, - insbesondere arabisch sprechende, sind im Kontext ihres mitgeschlepptes Kulturerbes -  solche Überlegung vollkommen fremd.