00321

bismillahi-r-rahmaani-r-rahiim

Was bedeutet heute Kultur

Muhhammad Müller |  muharram 1428 (Jänner 2007)

 

Allah verwendet das Wort "Diin" im Qur'aan als Zusammenfassung von "Religion" und "Kultur";  im europäischen Sprachraum sind diese Begriffe zwar überlagernd, aber längst nicht mehr identisch; das gibt Erklärungsbedarf.

 

Kultur (lat. cultura), also Pflege (des Körpers, aber primär des Geistes), später im Kontext mit dem Landbau, aus colere, bebauen, (be)wohnen, pflegen, ehren, ursprünglich etwa emsig beschäftigt sein, ist die Gesamtheit der menschlichen Leistungen. Kultur erscheint einerseits als das über den Grundbedarf hinausgehende Potential, welches, - sofern ein "Glaube" ausgeprägt war -, unter anderem durch Nahrungsüberfluss in den Kulturvölkern zu Wissenschaft und Künsten genutzt werden konnte. Umgangssprachlich "hat Kultur", wer "kultiviert" ist, im Gegensatz zu "unkultiviert", "roh" oder "barbarisch". Die Pflege der geistigen Bereiche geht wiederum von einem zentralen "Glauben" aus, dessen geistiges Umfeld meist Religion genannt wird, während sich die Auswirkungen diese Umfelds  kulturpägend manifestieren; man vergleiche z.B. die Auswirkungen des Islam, Kommunismus, Hinduismus, usf. in den unterschiedlichen Gebieten.

 

Das Geflecht von Religion und Kultur ist dicht, und die "nonverbale Kommunikation" (Symbolik) wird von Muslimen oft  als unwichtig abgetan; in dieser Angelegenheit unverständige Muslime missachten dies zwecks "Integration, Anpassung, Gewohnheit usw", und binden sich Krawatten um (nicht wissend, dass es sich um Symbole für die christliche Kultur und Glauben handelt); bei der Hauptaktion (Ritualgebet, ßalaah) aber, wird ein Fertigturban (an sich Symbol für Islam) zusätzlich zur Krawatte "aufgesetzt" (eben nicht gebunden); diese scheinbaren Nebensächlichkeiten (tatsächlich aber wichtige Bestandteile der Sunnah) werden von Säkularisten als unwichtig dargestellt, z.B. daß es sich beim Turban nur um arabische Kultur handle usw..

 

Im Qur'aan, wird Kultur und Religion nicht in Gegensatz zur Natur gestellt, sondern vielmehr ist alles Geschaffenes, ob Gut oder Böse, und ist alles was Dimension (Raum, Zeit) hat, unmöglich der Schöpfer, sondern das von Ihm geschaffene, eben Natur. Der freie Wille ist ein geschaffener Verantwortungskomplex, der seinen Aktionsraum in der Entwicklung in den oft tief versteckten Absichten hat und ist nicht der Schöpfungsakt der Handlungen selbst; darüber stolperten schon frühen Rationalisten (z.B. Mu'tazila) und heute eben ihre geistigen Erben. Nichtmuslime oder deren Künste sagen, dass Kulturen und/oder Religionen (die Begriffe werden verschwommen verwendet) von Menschen geschaffen sind und können Mangels an konzeptioneller Grundlage, Gottesanbetung von Naturverehrung nicht unterscheiden, wie es sich z.B. bei Erlösungs-, Wiedergeburts-, oder Animistenkonzepten usf. verdeutlicht.

 

Die Schöpfung Allahs ist ein einziger Daâlluq (Impuls in der Urewigkeit), während auf unserer sinnlichen Wahrnehmungsebene, die Schöpfung als anhaltender, kausaler Prozess erlebt wird (also, als ein in die Zeitlichkeit Bringen,  wobei der Schöpfungsakt, ausschließlich Allah zukommt und so wird niemanden ein Haar gekrümmt, wenn es Allah nicht bestimmt hat. Manche Gelehrte der Âqiidah erklärten auch, dass es sich um einen fortwährenden Schöpfungsakt handle, also die Schöpfung also nicht ein einziger Daâllug der Urewigkeit gewesen sei. Dem freien Willen aber, dem kommt das verantwortliche Beabsichtigen im Schöpfungserlebnis zu und das ist's was er dazu beiträgt ins Paradies oder ins Feuer zu gehen.