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Was bedeutet heute Kultur
Muhhammad Müller |
muharram 1428 (Jänner 2007)
Allah
verwendet das Wort "Diin"
im Qur'aan als Zusammenfassung von "Religion" und "Kultur";
im europäischen Sprachraum sind diese Begriffe zwar überlagernd,
aber längst nicht mehr identisch; das gibt Erklärungsbedarf.
Kultur (lat. cultura), also Pflege (des Körpers, aber primär
des Geistes), später im Kontext mit dem Landbau, aus colere,
bebauen, (be)wohnen, pflegen, ehren, ursprünglich etwa emsig
beschäftigt sein, ist die Gesamtheit der menschlichen Leistungen.
Kultur erscheint einerseits als das über den Grundbedarf
hinausgehende Potential, welches, - sofern ein "Glaube" ausgeprägt
war -, unter anderem durch Nahrungsüberfluss in den Kulturvölkern zu
Wissenschaft und Künsten genutzt werden konnte. Umgangssprachlich
"hat Kultur", wer "kultiviert"
ist, im Gegensatz zu "unkultiviert", "roh" oder "barbarisch".
Die Pflege der geistigen Bereiche geht wiederum von einem zentralen
"Glauben" aus, dessen geistiges Umfeld meist Religion genannt wird,
während sich die Auswirkungen diese Umfelds kulturpägend
manifestieren; man vergleiche z.B. die Auswirkungen des Islam,
Kommunismus, Hinduismus, usf. in den unterschiedlichen
Gebieten.
Das
Geflecht von
Religion und Kultur ist
dicht, und die "nonverbale Kommunikation" (Symbolik) wird
von Muslimen oft
als unwichtig abgetan; in dieser Angelegenheit unverständige Muslime
missachten dies zwecks "Integration, Anpassung,
Gewohnheit usw", und binden sich Krawatten um (nicht wissend,
dass es sich um Symbole für die christliche Kultur
und Glauben handelt); bei der
Hauptaktion
(Ritualgebet, ßalaah) aber, wird ein
Fertigturban (an
sich
Symbol für Islam) zusätzlich zur Krawatte "aufgesetzt" (eben nicht
gebunden); diese scheinbaren Nebensächlichkeiten (tatsächlich aber
wichtige Bestandteile der
Sunnah) werden von
Säkularisten
als unwichtig dargestellt, z.B. daß es sich beim Turban
nur um
arabische Kultur handle usw..
Im Qur'aan, wird Kultur und Religion nicht in Gegensatz zur Natur
gestellt, sondern vielmehr ist alles Geschaffenes, ob Gut
oder Böse, und ist alles was Dimension (Raum, Zeit) hat, unmöglich
der Schöpfer, sondern das von Ihm geschaffene, eben Natur. Der freie Wille ist
ein geschaffener Verantwortungskomplex, der seinen Aktionsraum in
der Entwicklung in den oft tief versteckten Absichten hat und ist nicht
der Schöpfungsakt der Handlungen selbst; darüber stolperten
schon frühen Rationalisten
(z.B. Mu'tazila) und
heute eben ihre geistigen Erben. Nichtmuslime oder deren Künste sagen,
dass Kulturen und/oder Religionen (die Begriffe werden verschwommen
verwendet) von Menschen geschaffen sind und können Mangels an
konzeptioneller Grundlage, Gottesanbetung von Naturverehrung nicht
unterscheiden, wie es sich z.B. bei
Erlösungs-, Wiedergeburts-, oder Animistenkonzepten usf.
verdeutlicht.
Die
Schöpfung Allahs ist ein einziger Daâlluq (Impuls in der
Urewigkeit), während auf unserer sinnlichen Wahrnehmungsebene, die
Schöpfung als anhaltender, kausaler Prozess erlebt wird (also, als
ein in die Zeitlichkeit Bringen, wobei der Schöpfungsakt, ausschließlich Allah
zukommt und so wird niemanden ein Haar gekrümmt, wenn es Allah
nicht
bestimmt hat. Manche Gelehrte der
Âqiidah
erklärten auch, dass es sich um einen fortwährenden Schöpfungsakt handle, also die Schöpfung
also nicht ein
einziger Daâllug
der Urewigkeit gewesen sei. Dem freien
Willen aber, dem kommt das verantwortliche Beabsichtigen im
Schöpfungserlebnis zu und das ist's was er dazu beiträgt ins
Paradies oder ins Feuer zu gehen.
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