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Will uns die Presse in Deutschland nicht informieren?
von Viktoria Waltz | Viktoria Waltz ist Dozentin an der
Universität Dortmund, Fakultät Raumplanung, und auf die
israelisch-zionistische Siedlungspolitik und Planung spezialisiert. Von 1997 bis
2000 war sie Beraterin des palästinensischen Wohnungsbauministeriums in Gaza
und
RamAllah
Wussten Sie, dass die deutschen
Journalisten in der Region, natürlich akkreditiert in
Israel, eine Verpflichtung unterschreiben, nichts gegen die Interessen und die
Sicherheit
Israels zu schreiben? Ahnen Sie, dass das einer Selbstverpflichtung zum Maulkorb
gleichkommt? Würden Sie denken, dass deutsche Journalisten und Medien derart
„käuflich“ oder einschüchterbar sind, dass sie Tatsachen unterschlagen, zu
späten
Nachtzeiten senden, ja alles tun, um die Wahrheit nicht allzu schrecklich zu übermitteln
und sowieso eher aus israelischen denn aus palästinensischen Quellen schöpfen
und
damit weder dem Neutralitätsgebot noch dem Informationsgebot nachkommen?
Nicht, weil man aus dem Faschismus nichts gelernt hätte, sondern weil man nicht
zulassen will, was nicht sein darf?
In Palästina ist die Hölle los, jedes Kind weiß inzwischen, dass es nur eine
Lösung geben
kann: Rückzug der Israelis aus allen besetzten Gebieten und zwei Staaten in den
Grenzen
von 1947/48, was schon einen palästinensischen Verzicht auf zwei Drittel des
einst von
ihnen belebten Landes Palästina bedeutet. Und was tun unsere Medien und unsere
Politiker? Sie fordern seit einem Jahr Gewaltverzicht von den Palästinensern zu
allererst,
von denen also, die vor allem ihr Recht auf Unabhängigkeit nach mehr als 50
Jahren
einklagen, sie, die nicht für den deutschen Massenmord an den europäischen
Juden
verantwortlich sind. Sind Regierung und Medien derart verstrickt und selbst
imperial
gepolt, dass es auch ihnen im Nahen und Mittleren Osten nur um die Sicherung des
Schmier-Öls für die europäisch-amerikanische Wohllebens-, Industrie- und
Rüstungsmaschinerie geht – koste es, was es wolle?
Die Palästinenser fragen sich heute, wo bleiben die deutschen Journalisten,
warum
kommen sie zu keiner unserer Pressekonferenzen? Warum erfahren die Deutschen am
allerwenigsten in ihren normalen Informationsquellen etwas über die Beweggründe,
Hintergründe der Palästinenser, über die groß angelegten
Menschenrechtsverletzungen
und Verletzungen der Genfer Konvention jetzt und seit 50 Jahren, auch während
des sog.
Friedensprozesses bis zur Intifada? Warum sehen wir nur weinende Israelinnen,
aber
niemals palästinensische Trauernde und Verzweifelte? Gibt es sie nicht auch?
Warum
hören wir nie etwas über die Beweggründe der Selbstmordattentäter? Weil sie
immer
gleich erschossen werden, damit sie gar nicht erst sprechen können, aus welchem
Lager und
welchem Teil Palästinas sie ursprünglich kommen, was ihren Vätern, Müttern,
Geschwistern und Freunden, so lange sie zurückdenken können, geschah und in
den
letzten 50 Jahren? Warum auch erfahren wir in den Abendnachrichten nicht, dass
in Italien
100000 Menschen für Palästina auf die Straße gingen?
Warum hören wir kaum eine fundierte Kritik und zweifelnde, Partei nehmende
Stellungnahme gegen Unrecht, während in den europäischen und auch den
amerikanischen Medien Hintergründe und Aufdeckungen jede Menge zu erhalten sind:
Clintons Wahlkampf durch die israelische Arbeitspartei mitfinanziert, Bushs
Wahlkampf
durch den Likud-Block; fast die Hälfte der amerikanischen Regierungsmitglieder
sind
Doppelstaatler, Israelis und Amerikaner; Peace Now berichtet über die Tätowierungen
von palästinensischen Gefangenen und schreit: Sind wir Nazis geworden? Spielen
Regierung und Medien das Spiel Sharons mit?
Sharon weigert sich, internationale Beobachter ins Land zu lassen – soll
niemand
berichten können,
• dass er nicht die "Infrastruktur des Terrors", sondern die "Infrastruktur
zum Leben"
zerstört?
• dass seine Soldaten inzwischen ein halbe Million Olivenbäume mit den
Wurzeln
ausgerissen haben?
• dass im Umkreis aller Stützpunkte und Kolonien von fast einem Kilometer
kein Halm
mehr übrig gelassen wird, die Erde "rasiert" worden ist?
• dass seine Behörden 50000 Tonnen Chemie- und Militärabfälle in einer
Mulde bei Beit
Lahia in 30 Meter Tiefe versenkt hat und der gesamte unterirdische Wasservorrat
Gazas
vor der Vergiftung steht?
• dass seine Soldaten die Wasserleitungen, Telefonleitungen und
Elektroleitungen in
RamAllah
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