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Sterben und Tod im Islam Manuskript zu einem Vortrag von Muhhammad Abu Bakr Mueller, im röm.kath.Bildungshaus Maria Trost / Graz; am Dienstag den 17.Shawwal 1420 / (25.Jänner 2000) | Ergänzungs- und Verbesserungsbedürftig. Muhhammad Abu Bakr Mueller |
"Jede Seele wird den Tod kosten" und doch leben fast alle, als hätte das keine Realität."
Das Sterben und der Tod selbst sind nur ein kleiner, wenn auch oft schmerzlicher Abschnitt eines größeren Ablaufes, gegen den niemand etwas auszurichten vermag. Hätten Menschen die Wahl, so würden viele auf den Tod verzichten und ewig leben wollen. Der Tod ist eine Erinnerung an unseren Schöpfer, an den Sinn unserer Existenz in diesem Leben und jenem danach. Das Leben ist ein Gang durch einen Raum und der Tod ist die Tür. An dem Vorhandensein der Tür zweifelt niemand, jedoch hängen am Glauben an den nächsten Raum große Entscheidungen und das Unglück oder das Glück der seelischen Existenz des Menschen.
Wenn ein Muslim stirbt so wird nur selten lange getrauert, denn das widerspricht dem Glauben. Mittels Gebeten und Qur'aan - Rezitation wird versucht, den Aufenthalt im Grab zu mildern. In einem tieferen mystischen Sinn ist der Tod für den Muslim ein Freudenfest, eine Rückkunft zu seinem ersehnten Geliebten, doch ist diese Haltung bei Lebzeiten früh genug zu lernen. Für den Ungläubigen ist der Tod eine Tragödie, weil er das Gefängnis, welches er als Paradies vermeinte, verlassen muss. Wer nun Sterbenden Erleichterung bringen will, der möge immer die Wahrheit sagen, denn falscher Trost ist kurzweilig.
Beim
Tod handelt es sich nicht um die letzten Dinge, sondern um die Dinge mitten
drin, denn das Wissen um den Tod ist für die Gläubigen ausreichend überliefert.
Der Tod ist das Tor zur großen Dimension, welche aber nicht wie das Bankkonto
überprüfbar ist. Das Leben nach dem Tod ist für den Gläubigen wie ein
Computerprogramm von dem er weiß, dass es zu einem unbekannten Zeitpunkt mit
Sicherheit starten wird. Sicherlich, ohne Offenbarungen wüßten wir nichts über
das Leben und nichts darüber, was nach dem Tod kommt. Ohne dem vollkommenen
Qur'aan und die Aufzeichnungen über das, was von Muhhammad (der Friede und
Segen Allahs
Der
große Mystiker Abd Al Qadir Gilani (1077-1166) aus Baghdad predigte folgende
Worte des Propheten Muhhammad (der Friede und Segen Allahs
Wenn wir über das Sterben und den Tod sprechen so trägt jeder eine lange Liste von Todesassoziationen in sich, welche, wenn auch immer nur auf ein und den selben Tod hinweisend, doch ganz unterschiedliche Aspekte hervorheben. Worüber sich der eine freut, weint oft der andere und hier ein kurzer Auszug einer unbekannt langen Liste in alphabetischer Reihenfolge:
Der Tod als Alterserscheinung Der Tod als Begräbniszeremonie Der Tod als Drohung Der Tod als Erlebnis Der Tod als Erlösung Der Tod als Figur Der Tod als Furcht Der Tod als Geschäft Der Tod als Geschichte Der Tod als Held Der Tod als Illusion Der Tod als Krankheit Der Tod als Kriegserlebnis Der Tod als Kriminalfall Der Tod als Lebensbeginn Der Tod als Märtyrer Der Tod als medizinischer Fall Der Tod als Mord Der Tod als Notwendigkeit Der Tod als Opfer Der Tod als Reportage Der
Tod als Rückkehr zu Allah
Der Tod als Schauobjekt Der Tod als Schicksal Der Tod als schmerzhafte Angelegenheit Der Tod als Sehnsucht Der Tod als Selbstmord Der Tod als Sinn des Lebens Der Tod als statistischer Wert Der Tod als Tor zum nächsten Leben Der Tod als Tragödie Der Tod als Überraschung Der Tod als Unfall Der Tod als Vortragsthemaa Der Tod als Wunsch Der Tod aus Liebe Der Tod der einen selbst betrifft Der Tod der Verwandten Der Tod des AQnderen Der Tod des Bösen Der Tod des Feindes Der Tod des Gatten Der Tod des Gläubigen Der Tod des Guten Der
Tod des nicht an Allah
Der Tod des Unbekannten Der Tod des Unschuldigen Der Tod im Kino Der Tod im Theater Der Tod als Vorbestimmung
Allah
Wer
hat nicht in der Nachrichten gehört: "Die berühmte Schauspielerin so
und so ist im Alter von 64 Jahren
an Krebs gestorben. Sie spielte in vielen bekannten Filmen, usw....".
Tiefere Zusammenhänge dürfen in einer Demokratie nicht vorkommen. Erdbeben
sind jetzt keine Strafe Allahs
Dass
der Todesengel mit dem Befehl von Allah
Als
der Gesandte Ibrahim (der Friede und Segen Allahs
Die Realität des Todes wird oft verdrängt und über alle Medien wird die "moderne wissenschaftliche Erkenntnis" posaunt. Der Tod wird medizinisch definiert und die Information der Offenbarung wird degradiert und im Topf der "Wissenschaften" als geschichtliches Ereignis verkocht. Einem Sterbenden das physische Leid zu mildern kann versucht werden, doch den Todesengel kann niemand irritieren.
Wenn
der Pfad des Herzens verlassen ist und die Realität des Todes verdrängt wird
und der Sterbende nicht mehr wiederholen kann: "Es gibt keine Gottheit außer
Allah
Der
Islam lehrt, daß Allah
Wer
seiner Taten Endziel auf diese Welt richtet, dessen Entlohnung erfolgt auch
nur in dieser Welt. Wessen Seele die Einheit Allahs
Wer seiner Taten Ende für die nächste Welt im Glauben an den einzigen Gott und seinen Gesandten angelegt hat, der wird nach dem Tod finden, dass sein Glaube über seinen Taten steht und seine Heimat letztlich das Paradies ist.
Der
Tod ist ein Ereignis, bei dem die Seele vom Körper getrennt wird. Niemand weiß,
wann und wo und wie er sterben wird. Diese göttliche Gewalt über Leben und
Sterben gehört zur uneingeschränkten Souveränität Allahs
"Sprich:
Mein Gebet und mein Opfer, mein Leben und mein Tod gehören Allah
Der berühmte muslimische Theologe Ghazali (gest. 12 Jh. n.Chr.) schreibt darüber: " Der erste Geliebte jedes lebendigen Wesens ist es selbst und das eigene Ich. Diese Liebe zu sich selbst bedeutet, dass in der Natur jedes lebenden Wesens eine Neigung zur Erhaltung des eigenen Daseins und ein Widerwille gegen seine Aufhebung und Vernichtung liegt. Denn von Natur geliebt wird das, was dem Liebenden genehm ist. Was aber wäre ihm genehmer als das eigene Ich und die Fortdauer des Daseins, und was wäre ihm mehr zuwider und entgegen als dessen Aufhebung und Vernichtung. Der Mensch liebt die Erhaltung seines Daseins und scheut das Sterben. Und dies nicht bloß aus Furcht vor dem, was nach dem Tode kommt, und nicht nur aus Grauen vor dem Todeskampf, sondern selbst wenn er hinweggenommen würde ohne Schmerz und er den Tod erlitte ohne Lohn und Strafe im Jenseits, würde er doch nicht gerne sterben, sondern einen Widerwillen dagegen haben. Er liebt den Tod und das reine Nichtdasein nur, wenn er im Leben einen allzu harten Schmerz ertragen muss, denn wer von einem Leiden betroffen wird, der liebt das Aufhören des Leidens. Und wenn er dann auch das Nichtdasein liebt, so liebt er es doch nicht um seiner selbst willen, sondern weil es das Aufhören des Leidens bedeutet. Denn die Vernichtung und das Nichtdasein wird gehasst und die Erhaltung des Daseins geliebt " (Al Ghazali, 1993, S. 183).
Das Verständnis des Todes und seine Transzendenz wird erst durch die Überzeugungen des Herzens, (Imaan) ermöglicht:
asch' hadu al-laa ilaaha illa-llahu wa asch' hadu anna muhhammadan âbduhu wa rasuuluhu Ich
bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah
amantu billahi wa malaaî-katihi wa kutubihi wa rusulihi wal jaumil akhiri wal qadri khairihi wa scharrihi mina-l-llahi taâalaa wa-l-baâthi baâda-l-maut Ich
glaube an Allah
Einige Strahlen aus diesen komprimierten Sprüchen:
Allah
Närrisch, dass jeder in seinem Falle Seine besondere Meinung preist! Wenn Islam Gott ergeben heißt, In Islam leben und sterben wir alle.
Wenn
auch in sich wahr und wunderschön, so scheint mir Goethes Gedicht als
Beispiel sophistischer
Spekulation und nicht als Bekenntnis zum Islam, wie das einige Muslime
verstehen wollen. Diese Goethesche Spekulation ist heute weit verbreitet und
sitzt in den Herzen der Menschen und führt
in das Feuer. Spätestens bei Eintritt des Todes stellt sich die
Fruchtlosigkeit solcher Gedanken dar. Es ist notwendig, die letzte Offenbarung
im vollen Umfang anzuerkennen und danach leben zu versuchen. Es ist etwas
anderes zu sagen: "Im Kern sind Religionen alle gleich" oder "Ich
bezeuge es gibt keine Gottheit außer Allah
Seine
Schöpfung, (die Engel, die
Menschen, der Tod, das Paradies, die Hölle, usw.)
schuf Allah
Die Geburt jedes einzelnen Menschen ist absolut vorbestimmt und nichts kann sie verhindern. Wenn ein Kind unter Muslimen geboren wird, dann flüstert man ihm in das rechte Ohr den Gebetsruf zur Versammlung und in das linke Ohr den Ruf zum unmittelbaren Gebetsanfang. Damit wird das kurze Erdenleben angedeutet und beim Begräbnisgebet entfällt dann der Gebetsruf weil er bereits dem Säugling ins Ohr "gesagt" wurde.
Die
"Lebenszeit" des Menschen wird mit einer, nur Allah
Über das Sterben, bzw. den Tod sagte Muhhammad (Friede sei mit ihm): "Denkt oft an den Tod, der die weltlichen Genüsse unbedeutend macht." Oder: "Der Tod ist für den Gläubigen ein Geschenk." Einer fragte den Propheten (Friede sei mit ihm) wer der klügste unter den Menschen sei. Er sagte: "Es sind diejenigen, die oft an den Tod denken und sich am meisten darauf vorbereiten. Diese Personen tragen die Würde der Welt und die Überlegenheit im Jenseits mit sich."
Der Tod von Muhhammad (Friede sei mit ihm).
Muhhammad
(Friede sei mit ihm) war in den Armen seiner Frau Aisha, als er im Sterben
lag. Der Todesengel kam in diesem
Moment. Der Gesandte Gottes erzählte
seiner Frau, was der Todesengel Azrail zu ihm gesagt hatte: "Der Erhabene
Gott hat mich zu dir geschickt, aber mir befohlen nicht ohne deine Erlaubnis
einzutreten. Wenn du mir nicht erlaubst werde ich nicht eintreten und komme
erst rein, wenn du es mir erlaubst. Allah
"
Er sagte mir zuerst, dass er sterben werde. Deshalb weinte ich. Dann sagte er,
dass er zu Allah
Der Aufenthalt im Grab, wird Barzakh genannt. Dieser Zustand dauert vom Zeitpunkt des Begräbnisses bis zum jüngsten Gericht, an dem alle auferweckt werden und ihren eigenen Taten in teils erschreckenden Personifikationen begegnen werden.
Die dem Körper entnommene Seele kehrt im Grab wieder zurück. Dort werden dem Menschen von zwei gewaltigen Engeln (Nakir und Munkar) drei Fragen gestellt: "Wer ist dein Herr? Welcher ist dein Prophet? Und welches deine Religion?" Bereits im Grab sind schreckliche Strafen zu befürchten. So wünschen sich die Lebenden, dass ihre Nachkommen zu ihren Gräbern gehen und für sie aus dem Qur'aan rezitieren und beten mögen; allein, das mag ihre Leiden im Grab nur für eine kurze Zeit zu lindern. Den einen wird ein "Fenster" -mit Ausblick zum Paradies gewährt und das Grab wird weit und den anderen wird ein "Fenster" mit dieser "Aussicht zur Hölle" geöffnet und das Grab wird drückend eng.
Die Auferstehung und der Gerichtstag sind die unausweichliche Zukunft, in der selbst die eigenen Körperteile über ihre Taten Auskunft geben werden. Die Angst wird derart groß sein, dass selbst eine Mutter ihr Kind nicht erkennen wird. Beschreibungen über diese Zeit gibt es viele, doch führt das über unser Thema jetzt zu weit hinaus.
Das
Paradies und die Hölle sind reale Schöpfungen Allahs
Das
Feuer der Hölle ist für diejenigen, welche die Existenz Allahs
Muslim
sein ist eine Eigenschaft, ein Zustand des Herzens und keine Kultur und so
waren alle Propheten - Jesus eingeschlossen -
wahre Muslime. (der Friede und Segen Allahs
Nun
kommen wir zurück zum Anfang, an
dem die Frage stand: "Was ist der Tod in dem kein Leben ist, und das
Leben, in dem kein Tod ist?" Das
ist nun die tiefere Bedeutung der bildhaft geschilderten Oberfläche. Die
mystische Dimension des Todes, das Sterben bereits im Leben und nicht erst bei
Eintritt des Todes. Der Mystiker oder Suufi versucht die übertriebene
Zuneigung zur Welt von sich zu nehmen und von dieser Welt
"abzusterben" bevor der Todesengel zu ihm kommt. Er sucht nicht
vorrangig das Paradies zu erlangen oder die Hölle zu vermeiden, er sucht
Allahs
Es
ist überliefert, dass Muhhammad, (der Friede und Segen Allahs
Der berühmte Mystiker Hallaj sagte: "Tötet mich, o meine Freunde, denn im Tod nur ist mein Leben."
Dieses Zitat wird auch beim großen Mystiker Rumi zum Schlüsselwort. Denn eines der zentralen Motive in seiner Dichtung ist das Sterben, durch das man neues Leben gewinnt,
"Kein Spiegel wird zu Eisen in der Welt Kein Brot wird wieder Weizen auf dem Feld, Die reife Traube wird nicht wieder grün, Die reife Frucht, sie braucht nicht mehr zu glüh'n..." (Übersetzung / Schimmel, 1995, S.729).
Der
Muslim erkennt sein Leben als einmalige Chance, und der Tod, das Absterben von
den scheinbaren Wichtigkeiten wird ihm zum Inhalt; nicht die Leugnung der
Realität von Genüssen, sondern ihre Relativierung bis hin zur Auflösung;
die Durchdringung seines Selbst mit der Erinnerung an seine Herkunft,
Durchdringung mit Liebe zu Allah
Für den Geist gibt es nichts Ungeistiges im Leben und das Sterben ist Bestandteil des Leben. Durch den Tod fallen die Schleier der Begierden weg und die Sicht wird klar. Was in Zweifel war, wird nach dem Tod niemand mehr leugnen.
So
helft euch zum Sterben, zur Anbetung des einzigen Gottes, Allah
Muhhammad Abu Bakr Mueller
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